Wieder zu Hause

Die Norderneyer "Alte Fischhaut" Werner Vogelpoth und drei Freunde sind von ihrem Atlantik-Törn gesund und munter zurück gekehrt. Der Insulaner berichtet:

Am Samstag, 15. Nov. fanden wir die von uns gecharterte Yacht "Blue Ocean", eine 46-Fuß Oceanis, im überfüllten Puerto Deportivo in Las Palmas nur durch Zufall. "Nicht hochseetauglich" war unser übereinstimmendes Urteil. Vorstag z.T. gebrochen, Selbststeueranlage defekt, versprochene Passatsegel nicht vorhanden etc.etc.
Wir sahen uns schon wieder im feucht-kalten Deutschland.

Nach vielen organisatorischen Klimmzügen, die Telefone liefen heiß, durch handwerkliches und technisches Geschick der Crew schafften wir es doch noch. Dank an Britta in GE und Spanische Ausrüster und Firmen vor Ort.

Am Mittwoch, 19 Nov. konnten wir am späten Nachmittag in Puerto Rico, Gran Canaria, in See stechen. Unser Ziel: Grenada vor der venezuelanischen Küste. Rund 3000 Seemeilen nur Wasser, Himmel, Schiff und Crew.

Wie befürchtet, segelten und motorten wir bei schwachem Wind Richtung Kapverdische Inseln um den stetig blasenden Nordostpassat zu erwischen. An dieser Stelle möchten wir dem "Deutschen Wetterdienst" in Essen danken, der uns mit Rat und Tat bis in die Karibik begleitete. In der Nacht von Montag auf Dienstag war der Nordost plötzlich da und wir konnten „platt vor dem Laken“ mit 260 Grad, fast exakt West, den Bug in die richtige Richtung legen.

Atlantik. Es wurde, Wok sei Dank, jeden Tag frisch gekocht. Bis zu 3-Gänge-Menues wurden Zelebriert. Es fehlte uns an nichts. Die Stimmung war hervorragend, zum Teil ausgelassen. Aber auch stille, gefühlsbetonte, sogar sentimentale Momente gab es reichlich. Beeindruckend der unendlich weite, unbegrenzte Sternenhimmel. Die Begegnung mit Walen, Delfinen, sogar Haien. Der entkräftete Falke, der einmal auf der Saling landete dann aber, totgeweiht, davon flog. Dinge die man nie vergisst. Allein auf dem Wasser. Auf der ganzen Überfahrt sind uns nicht mehr als 8 Schiffe begegnet.

Plötzlich Windstille. Segel runter, Motor an. Am nächsten Tag schwachwindig, zu wenig um unter Segel Grenada bis zum 12. Dez., dem Tag unseres bereits gebuchten Rückflugs, zu erreichen. Wieder Motoren. Leider sind die Dieselreserven begrenzt. Es wird gerechnet.

Wir entscheiden uns für die sichere Variante: Irgendwie ein paar Stunden mit genug Speed segeln, dann unter Motor nach Barbados. Dazu reicht der Sprit. Volltanken und „Hebel on the Table“ nach Grenada muss zu schaffen sein.

In der Nacht vom 10. auf den 11. Dez. ist Land in Sicht. Barbados erreicht. Die erste Flasche Sekt wird geköpft, dann direkt an der Tankstelle festgemacht. Ohne Einklarierung morgens um 8 Uhr getankt, Wasser gebunkert und auf geht´s.

12. Dez. Geschafft! Vor Morgengrauen wurde in der „Prickles Bay“, Grenada, der Anker geworfen. Die Atlantiküberquerung war beendet.

Nachdem die zweite Flasche Sekt geleert war, badeten wir im 26 Grad warmen Wasser der Bucht und genossen danach die von allen herbei gesehnte, wenn auch kalte, Dusche der Marina. Einklarieren für einen Tag und „Rein Schiff“ wurden im Schweiße unseres Angesichts (wörtlich zu nehmen) erledigt, bevor wir nach Genuss von zwei „Planters Punch“ auf Wolke 7 schwebten. Taxi zum Flughafen um 15 Uhr.

Nach vielen Tagen der unendlichen Weite war der Rückflug stark gewöhnungsbedürftig.
Samstag, den 13. Dez., landeten wir in Frankfurt, später in Düsseldorf. Zuhause.